Malocher mit EM-Pokal: MSV-Ikone Bernard Dietz

Den größten Moment seiner beeindruckenden Fußball-Karriere hat Bernard Dietz nicht ausgiebig genug genossen. „Heute denke ich manchmal: Hättest du den Pokal doch nur ein bisschen länger hochgehalten. Aber ich habe ihn direkt an die Mannschaft weitergereicht“, sagt Dietz, der den 22. Juni 1980 in Rom nicht vergessen wird. Deutschland holte mit dem 2:1 im EM-Finale gegen Belgien den Titel, und Kapitän Dietz, der Linksverteidiger vom MSV Duisburg, durfte als Erster die Trophäe in Empfang nehmen. Durch diesen Triumph und noch viel mehr wurde Dietz zu einer Legende, die auf der Deutschen Fußball Route Spuren hinterlassen hat.

„Kaum zu glauben, da stand der kleine Arbeiter aus Duisburg plötzlich ganz oben und war Europameister», erzählt Dietz. Der Mann, der stets Bescheidenheit vorlebte und sich im Rampenlicht nicht wohlfühlte, hatte plötzlich weiche Knie: „Mir wurde bewusst, dass ganz Deutschland zuschaute.“ Vor lauter Aufregung vergaß er sogar, Fabiola, der Königin von Belgien, auf der Tribüne die Hand zu schütteln. „Als ich es hinterher im Fernsehen gesehen habe, war es mir etwas peinlich.“

Für Dietz, der im März seinen 70. Geburtstag feierte, war der EM-Triumph von Rom, den er an der Seite von Teamkollegen wie dem Finaltorschützen Horst Hrubesch, Karl-Heinz Rummenigge oder Lothar Matthäus erlebte, der einzige große Titel seiner Laufbahn. Prägende Eindrücke hinterließ er neben seinen 53 Länderspielen aber vor allem durch seinen bedingungslosen Einsatz im weiß-blau gestreiften „Zebra“-Trikot des MSV. 

394 Bundesliga-Partien (70 Tore) bestritt der gelernte Schmied, der während seiner Gesellenzeit zwei Finger verlor, zwischen 1970 und 1982 für die „Zebras“ und wurde zum Prototyp des Malochers. „Marschieren, kämpfen und den Fußball genießen, das war meine Welt“, sagt Dietz, der seine Rolle oft offensiv interpretierte. „Als Abwehrspieler habe ich durch die Vorstöße wohl schon ein Stück den modernen Fußball prägen können.“

Erst recht am 5. November 1977, als er sein erfolgreichstes Ligaspiel machte. Beim 6:3-Sieg gegen Bayern München gelangen dem Abwehrspieler vier Tore. „Dabei sollte ich als Gegenspieler von Rummenigge Tore verhindern. Aber dann habe ich eben die Bayern abgeschossen“, erzählt Dietz mit einem Schmunzeln. Die Bayern führten zwischenzeitlich 2:1 und 3:2, doch nach seinen drei Toren zum 3:3 stürmte Dietz weiter nach vorne und traf auch noch zur Duisburger 4:3-Führung.

Mit dem MSV erreichte der im westfälischen Bockum-Hövel geborene Fußballer das DFB-Pokalfinale (1975) und das UEFA-Cup-Halbfinale (1979), die Zeitungen tauften seinen Club kurzerhand in „MSV Dietzburg“ um. Als er nach dem Erstliga-Abstieg 1982 kein neues Angebot erhielt, habe er geweint und wechselte zu Schalke 04 (101 Bundesligaspiele).

„An den ersten Trainingstagen bin ich immer an Gelsenkirchen vorbeigefahren und steuerte gedankenversunken Duisburg an.“ Noch 1980 lehnte er ein Angebot von Cosmos New York ab: „Da war Hennes Weisweiler Trainer und Franz Beckenbauer Spieler, ich hing aber zu sehr an Duisburg.“

Zu seiner großen Leidenschaft hat er längst zurückgefunden. Er unterstützt den MSV seit einigen Jahren als Vorstandsmitglied und wähnt seinen Club auf dem richtigen Weg. Nach zuletzt drei Drittliga-Jahren fassen die Zebras zumindest in der 2. Liga wieder Fuß. „Ich bin so froh, dass der MSV endlich wieder positivere Schlagzeilen schreibt. Die Mannschaft spielt mit Leidenschaft, das bereitet Freude“, erklärt Dietz. Zu seinem 70. Geburtstag im vergangenen März richtete der MSV eine große Party in der Schauinsland-Reisen-Arena, dem früheren Wedau-Stadion, aus.

Bernard Dietz auf der Deutschen Fußball Route NRW

Bernard Dietz hat an vielen Punkten, die heute herausragende Ausflugsziele der Deutschen Fußball-Route Nordrhein-Westfalen sind, Spuren hinterlassen. Insbesondere natürlich in Duisburg, rund um die Schauinsland-Reisen-Arena, das Trainingsgelände in Meiderich und den Landschaftspark Duisburg-Nord.

In Gelsenkirchen spielte Bernard Dietz erfolgreich für Schalke 04. Beim legendären DFB-Pokal-Halbfinale im Parkstadion gegen Bayern München führte er Schalke zum spektakulären 6:6 und ist heute noch ein gern gesehener Gast in der Veltins-Arena, der heutigen Spielstätte des FC Schalke 04.

Um die Triumphe der deutschen Nationalmannschaft drehen sich viele Ausstellungselemente im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund. Als Kapitän der EM-Elf von 1980 bleibt Bernard Dietz unvergessen.



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